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Heute präsentieren wir euch ein sehr aufschlussreiches Interview mit Martin Wolf, dem Projektleiter von Tales of Tamar. In sehr ausführlichen Antworten berichtet er von der Entwicklung und der Zukunft seines Spiels, schildert seine Eindrücke von der Gamesconvention und macht einfach Neugierig auf Tales of Tamar. Viel Spaß beim lesen.

Browserwelten: Hallo Martin stell dich doch nochmal kurz unseren Lesern vor.

Martin: Mein Name ist Martin Wolf, ich bin 35 Jahre alt, wohnhaft in Frechen bei Köln und seit acht Jahren Projektleiter und Programmierer des Spieles Tales of Tamar.

Browserwelten: Wieviele Entwickler gibt es für Tales of Tamar?

Martin: Derzeit sind es ca. zehn bis fünfzehn Mitarbeiter, wobei allerdings der Umfang eines jeden Mitwirkenden stark unterschiedlich ist. Fulltime arbeiten derzeit nur zwei Mitarbeiter an dem Projekt. Der Rest versucht sich nützlich zu machen bei kleineren Aufgabenstellungen oder in Teilgebieten, die keinen Fulltime-Job erfordern.

Browserwelten: Tales of Tamar ist ja im Prinzip mehr ein Clientspiel als ein übliches Browsergame, warum ordnet ihr euch aber mehr diesen Genre zu?

Martin: Weil es für unsere Sparte der PlayByEMail-Spiele kein vergleichbares Marktsegment gibt. Browser-Spiele selbst sind immer noch ein Nischenprodukt und PBEM-Spiele sind nochmal in der Potenz zehn kleiner als Browserspiele obwohl IMHO die Browserspiele sogar aus den PlayByMail-Spielen entstanden sind, also beide Sparten gemeinsame Eltern haben. Wie auch immer. Die PBEM-Spiele laufen nach einem ähnlichen Prinzip ab wie die Browserspiele. Ein Client oder eben ein Browser ermittelt Spieldaten welche an einen Server gesendet werden, welcher diese auswertet und wieder an den Kunden schickt bzw. für diesen bereithält, bis er sich das nächste Mal einloggt. Hier sind also eher gemeinsame Punkte zu finden wie zwischen einem Kauf- MMO und Tales of Tamar.

Des weiteren sind Browserspiele, wie auch unseres, meist LowBudget- Spiele im Vergleich zu den großen Spielen am Markt (World of Warcraft etc). Es wäre also sicherlich unfair Äpfel mit Birnen zu vergleichen. Wir stehen vom Prinzip her mit unserem Massiv-Multiplayer-Spiel vor den gleichen Problematiken wie die Browserspiele, wenngleich wir auch einige Vorteile geniessen, da wir z.B. wenig Bandbreite benötigen für das Spiel und selbst ein 9600er Modem ausreicht um mitzuspielen.

Browserwelten: Die Entwicklung von Tales of Tamar dauert ja bereits 8 Jahre an, wie schwierig ist es neue Features zu entwerfen und einzubauen?

Martin: Wenn man von Anfang an ein klare Vision seines Projektes hat und diese auch systematisch und modular umsetzt, dann ist es relativ einfach, neue Ideen einzubauen. Etwas anderes ist es Dinge einzubauen, welche vorher niemals so angedacht waren. Hier kann man Glück haben und etwas ist sehr einfach zu realisieren oder eben auch Pech haben und etwas ist schwer zu realisieren.

In unserem Fall ist es so, daß wir uns z.B. sehr schwer damit taten eine höhere Auflösung einzubauen. Ein Sache also, die z.B. für Browserspiele sehr einfach ist, führte für uns, einem komplett grafisch ausgelegtem Client, dazu, daß wir unter Umständen 1400 Grafiken hätten erneuern müssen. Eine immense Arbeit!

Glücklicherweise haben wir für dieses Problem eine Lösung gefunden und können Tales of Tamar in Zukunft relativ einfach noch besser aussehen lassen. Logische Features sind hingegen selten ein Problem. Tales of Tamar ist in dieser Hinsicht schon von Anfang an recht gut ausgestattet gewesen, da wir immer davon ausgegangen sind, daß die Arbeit am Client niemals aufhören wird und wir das Projekt ständig erweitern. Aus diesem Grunde waren die nötigen Gegebenheiten für ständige Erweiterung von Beginn an im Projekt integriert. So sind bis heute seit dem erscheinen der ersten Amiga-Version 2001 ca. 250 neue Updates erschienen, welche das Projekt stets mit Bugfixes und neuen Features versehen hat. Hier sind wir also bestens gewappnet.

Browserwelten: Durch die lange Zeit haben sich viele Stammspieler angesammelt, inwieweit haben bei euch Anfänger eine Chance Fuss zu fassen? Dies ist ja die Hauptproblematik vieler Online Spiele.

Martin: Diese Problematik sehe ich als Aufgabe des Balancings. Sicherlich ist es so, daß es viele Stammspieler in unserem Spiel gibt. Allerdings haben wir bestimmte Abhängigkeiten eingeführt die dazu führen, daß kleine Lords bei Tales of Tamar geradezu benötigt werden. Denn nur sie können z.B. lebensnotwendige Luxusgüter herstellen, welche von den großen Lords konsumiert werden. Gibt es also keine kleinen Lords, dann dümpeln große Lords mit sehr geringen Vertrauen vor sich hin. Ausserdem gibt es bei unserem Spiel ein Vasallensystem, welches dem Lehnsherren u.a. Vergünstigungen bei den Spielkosten ermöglicht. Große Spieler sind also stets für Vasallen dankbar und durch das Luxusgütersystem fließt ständig Gold von groß nach klein, was letztlich wieder dazu führt das klein sehr schnell groß wird.

Zu guter Letzt gibt es natürlich auch noch die Möglichkeit in neuen Ländereien anzufangen, was aber ein wesentlich beschwerlicherer Weg ist, da Tales of Tamar nicht einfach zu lösen ist. Da haben sich schon sehr gute Strategen die Zähne dran ausgebissen. Es versteht sich von selbst das diese neuen Länderreien von alten Lords nicht erreicht werden können bis eine sogenannte schwarze Barriere aufgehoben wird. Alles hat also seine vor und Nachteile. In der Vergangenheit hatten wir zahlreiche Lords, welche auf alten Land plaziert wurden und direkt eine feindliche Armee auf eigenem Land stehen hatten. Meist sind diese neuen Lords dann sauer direkt wieder abgehauen, weil sie es aus anderen Spielen so kennen, daß sie dann bald tod sind. Ich kann in diesem Punkt nur sagen, daß wir alle nötigen Vorkehrungen getroffen haben um die kleinen Lords zu schützen und einfaches überrennen eines neuen Lords nicht geschehen wird aus den genannten Gründen. Das gehöhrt eben zum Balancing.

Browserwelten: Wie sehen eure Pläne für die Zukunft aus? Kann man bei Tales of Tamar mit einigen Überraschungen rechnen oder plant ihr bereits neue Projekte?

Martin: Neue Projekte planen wir erstmal nicht, obwohl es mich persönlich schon reizen würde mal ein paar Monate etwas Anderes zu machen. Acht Jahre immer am gleichen Projekt ist halt schon nervenaufreibend. Ich denke aber in der heutigen Zeit der Millionen- Dollar-Spiele muß man sich auf einen Punkt konzentrieren um eventuell zu erreichen in genau dieser Nische der Beste zu werden. Was anderes kann man eh nicht machen. Als Überraschung kann man eventuell unseren BattleArena-Modus oder eben auch die 3D Karte bezeichnen, welche in Kürze erscheint. Über beides kann sich der geneigte Leser in unserem Forum genauer informieren, wenn er Lust hat.

Browserwelten: Wie würdest du selber deine Community beschreiben? Sind es mehr die aktiven Jungspieler die auf Erfolg aus sind, oder doch mehr die älteren Strategen die gerne mal eine Schlacht in Ruhe planen und den Weg als Ziel haben?

Martin: Da Tales of Tamar eher gediegene Strategie ist, würde ich schon sagen, daß unser Spiel sich an ältere Strategen richtet. Menschen, die sich die Zeit nehmen wollen in einer komplexen Kampfmaschine schon einmal während eines Zuges ein bis drei Tassen Kaffee zu trinken und die dann hoffen durch diese Überlegungen tatsächlich Vorteile zu erlangen. Das ist unsere Klientel!

Die heutige Zeit ist so hektisch, daß wir das nicht auch noch mitmachen müssen. Mal ganz davon abgesehen, daß für eine zünftige Runde ET oder Quake 3 immer noch Zeit ist. Macht ja auch Spaß, aber so auf Dauer erfüllt es mich persönlich doch nicht. Und mal im Ernst. Die Kampfmaschine von Tales of Tamar ist derartig komplex, daß selbst ich als Programmierer im letzten Krieg täglich drei Stunden Zeit benötigt habe um meinem Zug zu machen. Nicht weil ich ihn nicht schneller hätte machen können, sondern eben weil jede kleine Armeebewegung Ihre Auswirkung haben kann und teilweise über Sieg und Niederlage entscheidet. Schach ist nichts dagegen! So stelle ich mir persönlich auch ein Strategiespiel vor.

Und genau das ist auch der Punkt an dem gediegene Strategiespieler, die sich einmal an Dinge wie Bedienung, Auflösung und Grafik gewöhnt haben, das Spiel zu lieben beginnen. Deshalb haben unsere Spieler auch eine relativ lange Verweilzeit beim Spiel, wenn sie denn einmal die ersten 14 Tage überstanden haben. Die ersten Betatests begannen so ca. im Jahre 2000 und einige der Jungs und Mädels sind heute noch dabei. Man kennt sich, hat einen größeren Freundeskreis gefunden und bleibt eben dabei weil es stets ein paar neue Features gibt. Das alles ist gewürzt mit echten Rollenspiel. Unsere Community lebt Ihre Charaktere; sie verhandeln intime, sie debattieren intime, sie legen sich einen Slang zu, sie kreieren eigene Homepages, sie legen Weltkarten an usw usf.

Browserwelten: Als eines der 4 Browsergames die mit 4Players auf der Gamesconvention vertreten waren, habt ihr sichlerlich viele Leute neugierig auf Tales of Tamar gemacht. Wie ist dein persönliches Resümee der Messe und welches herausragende Ereignis ist bei dir hängen geblieben?

Martin: Also hier muß ich leider passen. Die Games Convention war für mich aus verschiedenen Gründen leider nur ein mäßiger Erfolg. Es hat sicherlich Spaß gemacht, aber unterm Strich ist mir persönlich zu wenig dabei rumgekommen. Allerdings muß man auch darauf hinweisen, daß es in erster Linie um die Präsentation von 4 Players ging und nicht um die Präsentation unseres Games. Wir haben das Beste daraus gemacht und waren dankbar überhaupt die Chance bekommen zu haben, präsentieren zu dürfen. Dank hier an unseren Vertragspartner, der stets gewillt ist neuen Spielen auf die Beine zu helfen! Ein herausragendes Ereignis fehlt mir leider.

Browserwelten: Die letzten Worte gehören dir.

Martin: Ich möchte noch einmal sämtliche Leser dieses Artikels herzlich dazu einladen, sich unser Spiel kostenlos anzusehen oder eventuell dabei zu helfen, daß sowohl Registrierung wie auch das Spiel in Zukunft noch unproblematischer funktionieren. Im Gegenzug verspreche ich Euch ein äußerst komplexes Spiel, welches in bestimmten Punkten seines gleichen sucht. Welches diese Punkte sind, wird man allerdings nur erfahren wenn man sich die Zeit nimmt und das Spiel eine Weile spielt.

Browserwelten: Vielen Dank für das Interview Martin und auch zukünftig viel Glück mit Tales of Tamar.

Martin: Danke auch an Browserwelten. Ihr macht einen klasse Job.

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